WAS SIND ORALE RESTRIKTIONEN EIGENTLICH?

ICH ERKLÄRE DIR HIER WAS ES MIT ORALEN RESTRIKTIONEN AUF SICH HAT, WELCHE SYMPTOME EINE ORALE RESTRIKTION MIT SICH BRINGT UND VORALLEM WIE MAN SIE BEHANDELT

DEFINITION

Ich bin sehr froh, dass dieses Thema in unserer Gesellschaft immer mehr ins Bewusstsein rückt und dort seinen absolut verdienten Platz bekommt, denn eine so kleine Einschränkung kann eine riesige Auswirkung auf das gesamte Leben haben.

Wusstest du, dass jeder Mensch ein Zungenband hat und deshalb die Optik alleine absolut nicht aussagekräftig ist, sondern immer die Funktion und das Zusammenspiel zwischen Gaumen und Zungenbeweglichkeit ausschlaggebend ist?

Das Zungenband wird nur umgangssprachlich sogenannt, eigentlich ist es eine sublinguale Faszie, eine Faszie die sich von der Zunge durch den ganzen Körper bis hin zu den Zehen erstreckt. Das Zungenband verbindet die Zunge und den Mundboden und ein verkürztes bzw. restriktives Zungenband ist also eine Einschränkung der Zungenbeweglichkeit. Es ist eine angeborene orale Einschränkung die schon im Mutterleib entsteht und zwar dann, wenn sich Zunge und Mundboden in der Embryonalphase voneinander trennen.

Leider ist bisher die Ursache für eine orale Restriktion unbekannt, man weiß aber, dass sie vererbbar ist und je nach Studienlage zwischen 2-15% oder sogar 2-40% der Neugeborenen betroffen sind.

Neben einem vekürzten, verdickten oder zu straffem Zungenband kann es auch zu einem eingeschränkten Lippenband oder eingeschränkten Wangenbändern kommen.

SYMPTOME

Eine orale Restriktion kann unterschiedliche Stillprobleme machen und auch Auswirkungen und Folgen weit über die Stillzeit hinaus bis ins Erwachsenenalter mit sich ziehen.


Kindliche Symptome:

- zweifarbige Lippen nach dem Stillen (innen heller als außen)

- Saugpolster / Saugbläschen an der Oberlippe

- häufig Schluckauf / auch in der Schwangerschaft schon zu beobachten

- Lippen nach innen gestülpt beim Stillen

- schnalzen / klicken / schmatzen beim Stillen

- ständiges An- und Abdocken

- Vakuumverlust und Probleme beim Brust halten

- immer wiederkehrende Verspannungen die nicht gelöst werden können

- unerklärliche zu geringe Gewichtszunahme

- auch überdurchschnittliche Gewichtszunahme möglich

- offene Mundhaltung / Mundatmung / schläft mit offenem Mund

- häufiges und extremes Spucken, auch oft einzige Zeit nach der Mahlzeit

- geringe Mundöffnung beim Andocken / Weinen

- lautes Atmen, röcheln, schnarchen

- unruhiges und unzufriedenes Baby / auch beim Stillen

- Zungenbelag (meist hinten mittig) oft als Soor fehldiagnostiziert


Mütterliche Symptome/ Stillprobleme:

- stillen klappt auf einer Seite besser als auf der anderen

- stillen läuft sehr ritualisiert ab (gleicher Platz immer selbe Position)

- sehr häufiges stillen / Dauerstillen

- auch sehr seltenes Stillen möglich

- Schmerzen beim Stillen (auch bei korrektem Anlegen)

- verformte Brustwarze nach dem Stillen (Lippenstiftform, plattgedrückt)

- wunde, blutige, rissige oder offene Brustwarzen

- häufige Milchstaus/Mastitis

- Schmerzen und blutige Brustwarzen auch nur zu Beginn (4-6 Wochen) danach schlagartig besser


Diese Symptome können alle auch andere Ursachen haben und nicht alle Symptome müssen auf jede orale Restriktion zutreffen, deshalb ist eine genaue Anamnese und Bewertung der Situation unabdingbar. Diese Übersicht soll dir lediglich helfen selbst überprüfen zu können, ob nicht doch eine orale Restriktion bei deinem Baby möglich wäre, auch wenn das vorher schon jemand ausgeschlossen hat. Wichtig ist nämlich auch wie das ganze bewertet und eingeschätzt wird und wie es behandelt wird.

EINSCHÄTZUNG & BEWERTUNG

Der erste Ansprechpartner beim Verdacht einer oralen Restriktion sollte immer durch eine auf dem Gebiet speziell fortgebildeten Still- und Laktationsberaterin sein, so eine wie ich es bin - nicht ein Arzt direkt. Warum?

Weil zu einer oralen Restriktion mehr als nur eine Behebung dieser gehört - es müssen vorbereitende Übungen und anschließende Nachsorge inkl. aktivem Wundmanagement durchgeführt werden.

Zusätzlich ist eine ausführliche Anamnese und Bewertung der Stillsituation unerlässlich. Ebenso müssen Funktionstests und Untersuchungen im Mund des Kindes stattfinden, ein Blick unter die Zunge oder mal eben die Zunge über die Lippen rausstrecken zu lassen sind absolut nichtsagend.

Wenn eine Einschränkung vorliegt, dann kann eine fortgebildete Zungenbandspezialistin, wie ich es eine bin, dies anhand ihrer Anamnese und Untersuchung erklären. Aussagen wie "es ist minimal verkürzt" oder "die Zunge kann über die Lippen rausgestreckt werden" sind nicht professionell. Wenn eine orale Restriktion vorliegt, dann liegt sie vor, nicht nur minimal, oder verwächst sich schon, sondern sie ist da und auch ein Grund dafür bei einem Spezialisten vorstellig zu werden. Ein restriktives Zungenband kann sich nicht verwachsen, da es hauptsächlich aus Kollagen Typ-1 besteht, was nur maximal um 0,3mm dehnbar ist.

Ich kläre all meine Familien über die Wichtigkeit der Vor- und Nachsorge für eine Frenotomie (Zungen-/Lippen-/Wangenbandtrennung) auf und leite sie  bei den notwendigen Übungen an. Wenn eine Fachperson eine Aussage tätigt wie "das aktive Wundmanagement ist nicht notwendig" oder "außer einer Trennung muss nichts weiter getan werden" rate ich dringend davon ab, diesen Personen im Bereich oraler Restriktion vertrauen zu schenken. Ich empfehle auch keine vorschnelle Trennung oder eine Trennung bei einem nicht spezialisierten Arzt und auch keine Trennung ohne eine Begleitung in Vor- und Nachsorge, da so schnell Fehler gemacht werden können und somit dann das Ergebnis der Frenotomie nicht das Beste rausholt.

Ein spezialisierter Arzt, der sich auf orale Restriktionen spezialisiert hat, wird immer die Wichtigkeit der Vor- und Nachsorge bestätigen und die Familie ebenso dazu animieren, sich Unterstützung in den Übungen durch eine fortgebildete Fachperson hinzuzuziehen. Ebenso wird dieser eine genaue Anamnese durchführen und nicht nur kurz mal in den Mund schauen.

Sollte eine Frenotomie bzw. eine sublinguale Faszienplastik (Trennung der oralen Restriktion) notwendig sein, so diagnostiziert dies der Arzt, an den ich weiterleite. Eine vollständige Trennung der oralen Restriktion ist für die Besserung der Situation notwendig.

Vor und nach einer Trennung begleite ich meine Familien mit verschiedenen Paketen (siehe Beratungspreise & Pakete) täglich in der Vorbereitung zur Frenotomie, so wie der Nachsorge und optimiere die Übungen sowie die Stillsituation.

Wenn bei deinem Baby oder Kind bereits das Zungenband kurz nach der Geburt oder mal bei einem Arzt mit einer Schere oder einem Skalpell kurz angeritzt wurde, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um eine vollständige Trennung. Auch wenn du mit deinem Kind schon eine Zungenbandtrennung hattest, aber keine Übungen gemacht wurde, eure Symptomatik wieder schlechter ist, so ist es wahrscheinlich, dass die Wunde wieder falsch zusammengewachsen ist. In beiden Situationen empfehle ich dir dringend, dich für eine Einschätzung bei mir zu melden, um erneut die Situation zu überprüfen.

ICH GLAUBE MEIN KIND LEIDET AN EINER ORALEN RESTRIKTION, WAS TUE ICH NUN?

Du darfst dich jederzeit bei mir für eine Einschätzung melden. Ich analysiere mit dir eure Situation genauestens und erkläre dir alle Zusammenhänge, die eine orale Restriktion mit sich bringt. Ebenso kann ich dir einen Spezialisten für die Diagnose und Frenotomie empfehlen.

Melde Dich auch gerne bei mir, wenn du den Verdacht einer oralen Restriktion schon hattest, es aber durch diverse Ärzte oder Fachpersonen bisher nicht bestätigt wurde, sie aber nur einen kurzen Blick in den Mund des Babys geworfen haben und keine ausführliche Anamnese stattfand.

Ich biete diese Dienstleistung auch online an - ich analysiere mit dir gemeinsam via Videochat eure Situation und kann dich bei den Funktionstests und Untersuchungen anleiten, in dem ich dir alles genauestens erkläre und dich mit Videomaterial anleite. Ebenso kann ich dir in deiner Nähe einen Spezialisten empfehlen, der die Diagnose und Frenotomie bei deinem Kind vornehmen kann.

Kompetente Hilfe muss nicht ortsgebunden sein - im Zeitalter der digitalen Welt und zig virtueller Möglichkeiten ist auch Stillberatung nicht mehr auf Haus- oder vor Ort-Besuche begrenzt.


Wenn dein Kind bereits älter ist, nicht mehr gestillt wird oder bereits ein Kleinkind oder Kind ist, oder du bei bei dir selbst eine orale Restriktion vermutest, so kannst du dich auch hierfür für eine Einschätzung bei mir melden. Ich besitze auch Fortbildungen im Bereich über das Säuglingsalter hinaus.

Ich möchte einen Termin zur Einschätzung

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